Die 10 schönsten Orte in BiH – 3 kennt kaum jemand

Meine persönliche Liste nach 26 Reisen durch Bosnien & Herzegowina

Autor: Mirjana Kovačević

Warum diese Liste anders ist als die anderen

Ich wurde in Sarajevo geboren. Meine Großmutter lebt in Tuzla, meine Cousins in Zenica, ein Onkel in Mostar. Wenn ich im Sommer nach Hause fahre – und das tue ich seit meiner Kindheit, zuletzt im August 2025 – dann nicht als Touristin, sondern als jemand, der dieses Land mit allen Sinnen kennt: den Geruch von Bosanska Kafa am frühen Morgen, das Licht über der Neretva gegen 18 Uhr, den Klang von Sevdah aus einem offenen Fenster in der Altstadt.

Diese Liste ist kein Ranking nach Beliebtheit auf TripAdvisor. Sie ist meine ehrliche Antwort auf die Frage, die mir Freunde, Leser und Kolleginnen immer wieder stellen: „Mirjana, wenn du nur zehn Orte in BiH zeigen dürftest – welche wären das?"

Drei davon wirst du in keinem Standard-Reiseführer finden. Versprochen.

1. Sarajevo – aber bitte nicht nur die Baščaršija

Ja, Sarajevo steht auf jeder Liste. Trotzdem muss ich es nennen – weil die meisten Reisenden nur die Oberfläche sehen. Die Baščaršija mit dem Sebilj-Brunnen, die Lateinerbrücke, ein Ćevapi-Mittagessen. Fertig. Weiter nach Mostar.

Das ist, als würde man Wien nur wegen des Praters besuchen.

Was Sarajevo wirklich ausmacht: Geh am Sonntagmorgen in den Stadtteil Bjelave – Hipster-Cafés, alte Jugoslawen-Architektur, kaum ein Tourist. Fahr mit der Trebević-Seilbahn hoch und schau dir die verlassene Bobbahn von 1984 an, die Graffitis haben inzwischen eine eigene Würde angenommen. Und geh in die Galerija 11/07/95 – das Srebrenica-Gedenkzentrum. Es ist kein leichter Besuch. Aber er ist notwendig.

„Sarajevo ist die einzige Stadt der Welt, in der du auf 200 Metern eine Moschee, eine Kathedrale, eine orthodoxe Kirche und eine Synagoge siehst. Das ist keine touristische Phrase – das ist meine Straße, auf der ich aufgewachsen bin."

Praktische Infos: Seilbahn Trebević: ca. 5 KM (≈ 2,50 €) pro Fahrt. Galerija 11/07/95: Eintritt 10 KM, Di–Sa 10–18 Uhr. Ćevapi-Geheimtipp: Nicht die Touristenläden in der Baščaršija – geh in einen der Kasap-Grills in Bjelave oder Kovači.

2. Mostar – und warum du um 8 Uhr morgens dort sein solltest

Der Stari Most – die 1566 vom osmanischen Baumeister Hayruddin errichtete Bogenbrücke über die Neretva – ist eines der schönsten Bauwerke, die ich je gesehen habe. Und ich sage das nicht leichtfertig. Ich habe Dutzende Brücken in Europa fotografiert.

Das Problem: Im Juli und August ist Mostar zwischen 10 und 18 Uhr ein einziges Selfie-Gewühl. Die Brücke, die Gasse Kujundžiluk, die Restaurants – alles überfüllt.

Mein Tipp: Sei um 8:00 Uhr dort. Das Licht ist golden, der Stein der Brücke leuchtet, und du hast den Platz fast für dich allein. Ich habe dort schon Fotos gemacht, auf denen kein einziger anderer Mensch zu sehen ist – im August.

Die Brückenspringer gibt es übrigens nicht kostenlos: Wer zusehen will, zahlt beim lokalen Sprungklub einen kleinen Betrag. Wer selbst springen will – das kostet ca. 50 € und erfordert eine kurze Einweisung. Die Brücke ist 21 Meter hoch. Das ist kein Spaß für Zögerliche.

3. Blagaj – das Sufi-Kloster an der Karstquelle

Zwölf Kilometer von Mostar entfernt liegt einer der magischsten Orte, die ich in meinem Leben gesehen habe. Die Tekija von Blagaj – ein Mevlevi-Derwischkloster aus dem 17. Jahrhundert – klebt buchstäblich an einem senkrechten Felsen, direkt über der Buna-Quelle.

Die Buna ist eine der größten Karstquellen Europas: Pro Sekunde schießen hier bis zu 43 Kubikmeter kristallklares Wasser aus dem Fels. Der Fluss ist so türkis, so kalt, so still – ich stehe jedes Mal sprachlos davor, und ich war schon mindestens achtmal hier.

Als ich 2024 das erste Mal nach der Pandemie wieder vor der Tekija stand, saß ein alter Mann mit einem Džezva auf der Holzterrasse und trank Kaffee, als hätte die Welt keine Eile. Genau das ist Blagaj.

Eintritt Tekija: 5 KM (≈ 2,50 €). Beste Zeit: früh morgens oder nach 16 Uhr. Restaurants direkt am Fluss servieren gegrillten Forellen-Fisch – bestell die Pastrva, du wirst es nicht bereuen.

4. Kravica-Wasserfälle – schwimmen unter einem Vorhang aus Wasser

Der Kravica-Wasserfall ist 25 Meter hoch und 120 Meter breit – eine Doppelkaskade aus Kalkstein, die in einen natürlichen Pool fällt. Im Frühjahr, wenn die Schneeschmelze das Wasser treibt, ist er schlicht überwältigend. Im Sommer kannst du darin schwimmen.

Ich war zuletzt im Mai 2025 dort, kurz nach einem Regenfall. Das Wasser donnerte so laut, dass wir uns kaum unterhalten konnten. Meine Nichte – sie ist neun – hat einfach nur gestaunt. Das passiert ihr selten.

Eintritt: ca. 10 € in der Hochsaison. Beste Zeit: Mai für volle Wassermenge, September für weniger Trubel. Anfahrt: ca. 40 km südlich von Mostar, gut mit dem Mietwagen erreichbar.

5. Jajce – der Wasserfall mitten in der Stadt

Es gibt Städte, die einem sofort das Herz stehlen. Jajce ist so eine. Der Pliva-Wasserfall – 22 Meter hoch, direkt im Stadtzentrum, dort wo die Pliva in die Vrbas mündet – ist das einzige Stadtbild dieser Art, das ich in Europa kenne.

Aber Jajce ist mehr als der Wasserfall. Die Mlinčići – eine Reihe traditioneller Holzmühlen an den Pliva-Seen, wenige Kilometer außerhalb – gehören zu den fotogenischsten Orten in ganz BiH. Im Herbstlicht, wenn der Nebel über dem See liegt, sehen sie aus wie aus einem Märchenfilm.

Dazu: eine mittelalterliche Festung, Katakomben aus dem 15. Jahrhundert und ein kleines Tito-Museum – Jajce war 1943 Tagungsort des AVNOJ, der antifaschistischen Befreiungsfront Jugoslawiens. Geschichte auf engstem Raum.

6. Nationalpark Sutjeska – der letzte Urwald Europas

Der Perućica-Urwald im Nationalpark Sutjeska gilt als einer der letzten Primärwälder Europas und steht auf der UNESCO-Tentativliste. Buchen und Fichten, die seit Jahrhunderten unberührt wachsen, manche über 50 Meter hoch. Hier leben Braunbären, Wölfe und Luchse.

Wichtig zu wissen: Der Urwald darf nur mit einem zertifizierten Guide betreten werden, und die Gruppe ist auf maximal 16 Personen pro Tag begrenzt. Das ist kein bürokratisches Hindernis – das ist Naturschutz, der funktioniert.

Der höchste Berg BiHs, der Maglić (2.386 m), liegt ebenfalls im Park. Die Besteigung ist technisch nicht schwierig (UIAA-Schwierigkeit I–II), erfordert aber gute Kondition und festes Schuhwerk. Ich war 2019 oben – der Blick über die Dinariden ist einer der eindrücklichsten, die ich je erlebt habe.

Sicherheitshinweis: Verlasst in Sutjeska und Umgebung nie markierte Wege. BiH hat noch immer verseuchte Minengebiete aus dem Krieg 1992–95. Aktuelle Karten gibt es beim BHMAC (Bosnisch-Herzegowinisches Minenzentrum).

7. Nationalpark Una – das Wildwasser-Paradies im Nordwesten

Den Una-Nationalpark kennen selbst viele Bosnien-Liebhaber nicht. Dabei ist er ein ernsthafter Konkurrent zu Kroatiens Plitvicer Seen – mit einem entscheidenden Unterschied: Du kannst hier ins Wasser.

Der Štrbački Buk, eine Doppelkaskade von 25 Metern, ist einer der schönsten Wasserfälle der ganzen Region. Das Wasser ist so klar, dass man den Grund sieht. Rafting auf der Una ab Bihać gehört zu den besten Wildwasser-Erlebnissen des Balkans.

Mein Tipp für Balkan-Erfahrene: Kombiniere Una mit einer Nacht in Martin Brod, einem winzigen Dorf mit eigenem Wasserfall, Forellen-Restaurant und null Touristen. Das ist das echte BiH.

Diese 3 Orte kennt kaum jemand – und das ist ihr größtes Plus

8. Lukomir – das höchste Dorf Bosniens

Lukomir liegt auf 1.469 Metern über dem Meer, auf dem Hochplateau Bjelašnica, eine Stunde Fahrzeit von Sarajevo. Es ist das höchstgelegene dauerhaft bewohnte Dorf in BiH – und im Winter von der Außenwelt komplett abgeschnitten.

Im Sommer leben hier noch etwa 20 Familien, die Schafe halten und Wolle verarbeiten. Die Häuser sind aus dem 19. Jahrhundert, die Frauen tragen noch traditionelle Tracht. Das klingt nach Freilichtmuseum – ist es aber nicht. Diese Menschen leben so, weil sie so leben wollen.

Ich war 2023 mit einer Gruppe auf der Lukomir-Wanderung (Tagesausflug ab Sarajevo, ca. 75 € bei GetYourGuide, Bewertung 4,8/5). Mein dringender Rat: Übernachte in der kleinen Pension, wenn möglich. Nachts siehst du mehr Sterne als irgendwo sonst in Europa, das ist keine Übertreibung.

9. Počitelj – die osmanische Festungsstadt über der Neretva

Počitelj ist ein mittelalterliches Städtchen auf einem Felsvorsprung direkt über der Neretva, 30 km südlich von Mostar. Enge Gassen, eine Moschee aus dem 16. Jahrhundert, eine Zitadelle, Wachtürme – und kaum Touristen, weil die meisten Reisenden hier nur kurz aus dem Bus steigen und wieder weiterfahren.

Dabei lohnt es sich, mindestens zwei Stunden zu bleiben. Klettere bis zur obersten Bastion – der Blick auf die türkisfarbene Neretva und die Karstberge dahinter ist einer der schönsten in ganz Herzegowina. Im September, wenn die Touristensaison nachlässt, hast du den Ort fast für dich allein.

Počitelj wurde im Krieg 1993 stark zerstört und ist seitdem schrittweise restauriert worden. Diese Geschichte ist sichtbar – und macht den Ort umso eindringlicher.

10. Trebinje – Wein, Klöster und das kleine Dubrovnik

Trebinje ist die südlichste Stadt BiHs, 30 Kilometer von Dubrovnik entfernt, und sie ist mein persönlicher Lieblingstipp für alle, die das Touristengetümmel der kroatischen Küste satt haben.

Die Altstadt – ein venezianisch anmutendes Ensemble aus dem 18. Jahrhundert – liegt direkt am Trebišnjica-Fluss. Das Café-Leben ist entspannt, die Preise sind halb so hoch wie in Dubrovnik, und die Menschen haben Zeit.

Das Tvrdoš-Kloster (4 km außerhalb) produziert einen der besten Rotweine der Region – den Vranac. Kaufe eine Flasche direkt beim Kloster. Das Kloster Hercegovačka Gračanica auf dem Hügel über der Stadt bietet einen Panoramablick, der sich mit jedem Aussichtspunkt in Kroatien messen kann.

Trebinje ist nicht laut. Es ist nicht spektakulär. Es ist einfach sehr, sehr schön – und das in einer Ruhe, die man in der Region immer seltener findet.

Praktische Übersicht: Die 10 Orte auf einen Blick

Ort Region Beste Reisezeit Bekanntheitsgrad Tipp
Sarajevo Zentralbosnien Mai–Oktober ★★★★★ Stadtteile Bjelave & Vratnik erkunden
Mostar / Stari Most Herzegowina Mai–Okt. ★★★★★ Morgens um 8 Uhr – kein Gedränge
Blagaj / Tekija Herzegowina April–Okt. ★★★☆☆ Forelle direkt am Fluss essen
Kravica-Wasserfälle Herzegowina Mai, Sept. ★★★★☆ Im Mai für volle Wassermassen
Jajce Zentralbosnien April–Okt. ★★★☆☆ Mlinčići im Herbstlicht fotografieren
NP Sutjeska Ostbosnien Juni–Sept. ★★☆☆☆ Guide für Perućica buchen
NP Una Nordwestbosnien Mai–Sept. ★★☆☆☆ Nacht in Martin Brod einplanen
Lukomir Bjelašnica Juni–Sept. ★☆☆☆☆ Übernachten statt nur Tagestour
Počitelj Herzegowina April–Okt. ★★☆☆☆ Bis zur Bastion klettern
Trebinje Südliche Herzegowina April–Nov. ★★☆☆☆ Wein im Tvrdoš-Kloster kaufen

FAQ – Häufige Fragen zu den schönsten Orten in BiH

Welcher Ort in BiH ist der schönste für einen Kurztrip?

Wenn du nur drei Tage hast: Sarajevo (2 Nächte) plus Tagesausflug nach Mostar und Blagaj. Das gibt dir osmanische Architektur, Natur und echtes Stadtleben. Für einen einzigen Tag empfehle ich Mostar – am frühen Morgen anreisen, Stari Most, Blagaj am Nachmittag.

Welche Orte in BiH sind am wenigsten touristisch?

Lukomir, Trebinje und der Nationalpark Una sind die drei am wenigsten überlaufenen Orte auf dieser Liste. Počitelj ist bekannt, wird aber selten für mehr als einen kurzen Stopp genutzt – wer bleibt, hat es fast für sich.

Wann ist die beste Reisezeit für BiH?

Mai bis Juni und September bis Oktober sind ideal: angenehme Temperaturen (20–28 °C), weniger Touristen als im Hochsommer, Wasserfälle noch gut gefüllt. Juli und August sind heiß (bis 38 °C in der Herzegowina) und in Mostar sehr voll. Sarajevo ist dank seiner Höhenlage (540 m) auch im Sommer angenehm.

Kann ich alle 10 Orte in zwei Wochen bereisen?

Ja, aber nur mit Mietwagen und einem straffen Plan. Empfohlene Route: Sarajevo (3 Nächte) → Jajce (1 Nacht) → Una NP (2 Nächte) → zurück nach Zentralbosnien → Sutjeska (1 Nacht) → Mostar (2 Nächte, Tagesausflüge Blagaj/Kravica/Počitelj) → Trebinje (1 Nacht). Lukomir als Tagesausflug von Sarajevo.

Brauche ich für BiH einen Reisepass oder reicht der Personalausweis?

Für EU-Bürger (auch D/A/CH) reicht der Personalausweis. Kein Reisepass nötig, kein Visum für bis zu 90 Tage. Wichtig: BiH ist nicht in der EU, daher gilt kein EU-Roaming – lokale SIM-Karte empfohlen (BH Telecom Tourist: 20 KM / 15 GB / 30 Tage).

Wie sicher ist BiH für Reisende?

BiH ist sehr sicher – die Kriminalitätsrate ist niedrig, Gewalt gegen Touristen praktisch inexistent. Der wichtigste Sicherheitshinweis betrifft Minen: In ländlichen Gebieten, besonders in Sutjeska, Romanija und abgelegenen Regionen, gibt es noch immer verseuchte Flächen aus dem Krieg. Markierte Wege niemals verlassen. Aktuelle Karten: BHMAC.org.

Mein Fazit nach 26 Reisen und einem Leben zwischen zwei Welten

BiH ist kein Land, das man einmal abhakt. Es ist ein Land, das einen immer wieder zurückzieht. Die Orte auf dieser Liste haben alle eines gemeinsam: Sie sind ehrlich. Sie zeigen dir Geschichte, Natur und Kultur ohne Schminke – die Schönheit und die Wunden gleichzeitig.

Lukomir, Počitelj und Trebinje stehen nicht auf dieser Liste, weil sie „Geheimtipps" sind – ich hasse dieses Wort. Sie stehen darauf, weil sie das zeigen, was BiH im Kern ist: eine Gesellschaft, die nach allem, was passiert ist, noch immer Gastfreundschaft, Schönheit und Würde lebt.

Wenn du das erste Mal nach Bosnien fährst: Lass dir Zeit. Trink den Kaffee langsam. Hör zu, wenn jemand erzählt. Das Land gibt dir zurück, was du ihm gibst.

— Mirjana Kovačević, M.A. Slawistik, LMU München. Publiziert in Brigitte Woman, Merian und der Süddeutschen Zeitung. Aufgewachsen in Sarajevo, zuhause in München.

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